Balearen-Wirtschaft: Sternekoch in der Armenküche

Was hatte sich der neue Ministerpräsidenten der Balearen mit seiner unverbrauchten, hoch motivierten Mannschaft bei seinem Regierungsantritt vor sechs Wochen nicht alles vorgenommen? Man war an Helmut Kohls Spruch von den „blühenden Landschaften“ nach der deutschen Vereinigung erinnert.

Dem Kassensturz folgte die Ernüchterung. Der Sternekoch Bauza arbeitet nicht für ein Luxusrestaurant, sondern mit einfachsten Zutaten in der Armenküche. Die Verschuldung der Balearen beträgt 4,5 Milliarden Euro. In etwa dieselbe Summe, die den Berliner Regierenden Bürgermeister Wowereit zu dem Spruch veranlasste „Berlin ist arm, aber sexy“. Der neuen Regierung liegen offene Rechungen von Handwerkern, Dienstleistern und Materiallieferanten von 1,1 Milliarden Euro vor. Die Löhne und Gehälter der Parlamentsabgeordneten und –angestellten sind für August 2011 nicht mehr sicher gestellt. Beim Kongresspalast klafft ein großes Finanzierungsloch. Die Auflösung des synfonischen Orchesters wird diskutiert. Das teatre Principal startet in die neue Theatersaison mit leeren Kassen. Und, und, und. Es fehlt Geld für die Schulbusse.  Überall muss der Rotstift angesetzt werden. Allein in diesem Haushaltsjahr müssen 380 Millionen eingespart werden. Bauzas Job ist der eines Feuerwehrmanns, und es brennt an allen Ecken.

Dennoch: Die Übergabe des Kommandos von der zerstrittenen Mitte-Links-Koalition an die Konservativen war notwendig und gerade noch rechtzeitig: Ausgestattet mit einer komfortablen Mehrheit können auch unpopuläre Gesetze und Maßnahmen durchgeführt werden.

2 Gedanken zu „Balearen-Wirtschaft: Sternekoch in der Armenküche

  1. Ex-Ministerpräsident Antich hatte ja schon einmal bewiesen, dass er von Wirtschaft nichts versteht. Nun hat er der neuen Regierung 4,5 Milliarden Schulden hinterlassen. Der Mann gehört eingesperrt. Gruß van Kan

  2. Die komfortable Mehrheit im Landesparlament und im Inselrat ist das eine, das notwendige Streichkonzert das andere. Man bekommt die Wirtschaft aber nur in Schwung, wenn man investiert. Da beißt sich die Katze wieder einmal in den Schwanz.
    Ihr Hubert Neuenfels

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